

Zur Klientin: Frau A. B. ist 44 alt, unverheiratet. Sie ist als Ergotherapeutin (Beruf fiktiv) tätig und nahm während 4 1/2 Jahren regelmässig an meinen Abend- oder Tagesgruppen teil. Ihre Kindheit erlebte sie als sehr schwierig, immer war das Gefühl da, unerwünscht, anders, komisch zu sein, nie schien ihr Verhalten zu passen (double bind-Situationen). Ihren Vater (er war Alkoholiker) erlebte sie als massive Bedrohung, an konkrete Missbrauchssituationen kann sie sich aber nicht erinnern. Ihre Mutter und ihre Schwester hatten eine sehr enge Beziehung zueinander, was zusätzliche Verlassenheitsgefühle in ihr auslöste. Äusserte sie, dass zuweilen alles „schwarz“ um sie herum werde, wurde ihr vorgeworfen, aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen...
Ich beschreibe die Sequenz einer Einzelbegleitung innerhalb eines Gruppensettings von 6 Stunden.
Als Einstieg diente mir eine geführte Wahrnehmungs-Übung mit geschlossenen Augen. Eigene Körpersymptome, Körpergrenzen, Umraum, Gegenstände, andere Menschen sollten wahrgenommen werden. Anschliessend galt es, die Augen sehr langsam zu öffnen und sich, ganz auf Empfang gestellt, von etwas im Raum „anflirten“ oder anziehen zu lassen. Eine Körperwahrnehmung, ein Symptom, sollte den thematischen Anstoss zum weiteren Malen geben.
Während der Übung tauchte die Frau A. die Erinnerung an ein früher gemaltes Bild auf und das Schwarz der Hausschuhe einer anderen Teilnehmerin (Abb.1) erregten ihre Aufmerksamkeit. Ihr wurde ganz mulmig, als sie zu malen begann. Sie beschrieb Folgendes: „Kürzlich habe ich ein Bild mit Frauenfiguren gemalt, gewisse Stellen immer wieder übermalt, abgerubbelt, verwischt etc., sodass ein Loch im Kopf einer (auf dem Kopf stehenden) Figur entstand... mir wurde damals schon ganz mulmig zu Mute, es ist wie eine ‚black box’, die mir Angst macht.“ (Abb.2)
Ich ermutigte sie, den Kopf mit dem Loch in grossem Format zu malen und dabei wahrzunehmen, welche Emotionen in ihr aufzusteigen beginnen (Abb. 3). Als sie mich wieder an ihren Platz holte, war sie nahe daran, wissen zu wollen, was sich in dieser ‚black box’ befinde, fand es aber (Zitat) „viel zu gefährlich“. Dennoch nahm ich wahr, dass sie es wissen wollte (da ihre Augen strahlten...) vorausgesetzt ich und die Gruppe
billige ihr Unternehmen. Weiter lesen>